

Yoga
Die universale Wissenschaft der Wirklichkeit
Schlussfolgerung Aus Sicht der Yoga-Philosophie ist das Konzept von „Entwicklung“ zweideutig: Die historische Entwicklung der menschlichen Gesellschaften von der Kulturstufe des Jägers-und-Sammlers bis hin zur Industriegesellschaft kann in gewissem Masse als die Fortsetzung der Komplexifizierung und Verdichtung des menschlichen Bewusstseins gesehen werden (-> Entwicklung des menschlichen Bewusstseins) - sozusagen als Fortgang des „Falls“ vom ursprünglichen, universalen Bewusstsein. Jeder „Fortschritt“ ist demnach ein weiterer Schritt weg vom Universalen Selbst (Brahman): Konflikte, Abhängigkeiten und Verstrickungen nehmen zu. In diesem Sinne sind die Naturvölker der Andamanen und der Semai näher an der Wirklichkeit – und somit glücklicher. Allerdings sind sie sich ihres Status nicht bewusst. Anders bei spirituellen Gesellschaftsformen: Diese streben in ihrer Organisationsstruktur die bewusste spirituelle Integration ihrer Mitglieder an. Somit bewegen sie sich zurück zum Zentrums allen Seins. Materieller „Fortschritt“ ist hier nicht erstrebenswert (vorausgesetzt, die Grundbedürfnisse sind befriedigt). Für materialistische Gesellschaftsformen wie die kapitalistische Marktwirtschaft oder den Kommunismus steht der materielle Wohlstand im Vordergrund. Sie unterscheiden sich radikal von spirituellen Gesellschaftsentwürfen, bewegen sich tendenziell weg vom Universalen Selbst. Dies dürfte wohl auch die Hauptursache aller (gravierender) Probleme unserer modernen Zeit sein. Die Hegemonie des ressourcenhungrigen, materialistisch orientierten Industrialismus begann mit der Kolonisierung. Unter dem Vorwand, zurückgebliebenen Kulturen die Segnungen der Zivilisation und des Christentums zu bringen, wurden ganze Kontinente unterjocht und ausgebeutet, einheimischen Bevölkerungen versklavt oder ausradiert. Zudem wurde in der Folge der „kalte Krieg“ zwischen den dominierenden Ideologien Kapitalismus und Kommunismus bis in entfernteste Erdteile exportiert. Moral spielte da keine Rolle. Wenn nötig, war jeder korrupte Diktator willkommen, insofern er dem einen oder anderen der Kontrahenten wohlgesinnt war. Der Kolonialismus hatte einen weiteren Entwicklungsschub des Industrialismus zur Folge, konnte doch die Erste Welt neue Rohstoffquellen erschliessen und wenn nötig ihren Industrieabfall billig entsorgen. Ein weiterer, vielleicht noch tief greifender Prozess, war die Globalisierung anfangs der neunziger Jahre des letzten Jahrtausends. Diesmal war keine rohe Gewalt mehr erforderlich, es genügte, die jeweiligen Länder in die globalen Finanzmärkte einzubinden. Über Schuldenwirtschaft wurden zahlreiche Länder erpresst und ausgebeutet. Fortan wurden nicht nur Rohstoffe importiert, sondern auch billige Fertigprodukte, entstanden in den so genannten „sweat-shops“ - Produktionsstätten, in denen horrende Arbeitsbedingungen herrschen. Ganz so düster ist die bisherige Bilanz der Globalisierung zuweilen nicht, da gewisse Bevölkerungsschichten in Asien, Lateinamerika und Afrika auch profitieren und ihren Lebensstandard heben konnten. Die Entwicklung hinterlässt aber eine grosse Anzahl entrechteter und verarmter Menschen (insbesondere unter den autochtonen Bevölkerungsgruppen) sowie ungelöste ökologische Probleme. Die Ausbreitung des Industrialismus führte zu einer rücksichtslosen Niederwalzung von indigenen Kulturen und Traditionen. So gut wie nichts und niemand konnte sich den „Segnungen“ der Zivilisation entziehen. Die hier vorgestellten alternativen Gesellschaftsentwürfe sind seltene Ausnahmen, die auf spezielle Umstände zurückzuführen sind. Alle sind jedoch bedroht, beziehungsweise konnten sich nur kurze Zeit halten. Das goldene Zeitalter der Gupta-Dynastie in Indien stammt aus einer längst vergangenen Zeit. Bhutan ist ein Glücksfall. Es grenzt an ein Wunder, dass ihm nicht das gleiche Schicksal wie den Nachbarländern Tibet (von China besetzt) oder Sikkim (durch Indien annektiert) ereilt ist. Es bleibt offen, ob es Bhutan schaffen wird, seine einmalige Kultur auch in Zukunft aufrecht zu erhalten. Die Bedrohung könnte auch von Innen kommen. Wie es ein Reporter in einem Zeitungsartikel über Bhutan treffend formuliert: „Der eigentliche Test für den bisherigen Erfolg des bhutanischen Wegs dürfte kommen, wenn dort junge arbeitslose Drukpas herumlungern und darauf warten, irgendeinen Bollywood-Helden zu bewundern, der sich in einer brutalen Welt mit allen Mitteln durchsetzen muss“. Was die hier vorgestellten Naturvölker (die Ureinwohner der Andamanen und die Semai aus Malaya) anbetrifft, ist die Lage nicht viel anders. Die Andamaner sind bezüglich Populationsgrösse praktisch dezimiert. Trotz 150jähriger Bedrängnis durch die Invasoren lehnen die vielleicht noch 300 überlebenden Jarawas die Zivilisation gänzlich ab und bevorzugen es nach wie vor, ihr einfaches Dschungelleben weiter zu führen. Die Semai verdanken das Fortbestehen ihrer Kultur nur dem unwegsamen Gelände, der zu ihren Wälder führt. |
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