

Die Ureinwohner der Andamanen Inseln
Würde man heute im Atlantik eine Insel mit einem Jägervolk aus der Eiszeit entdecken, würden sich Medienleute und Wissenschaftler in ihrem Eifer, dorthin zu gelangen, zu Tode trampeln. Die Ureinwohner der Andaman Inseln stellen einen nicht minder unüblichen Fall dar: ein extrem primitives und sehr urtümliches Volk von Pygmäen, die letzten Nachfolger der ältesten anatomisch modernen Menschen, vermutlich Vorfahren zahlreicher Asiaten und Australier. Und trotzdem... praktisch niemand hat je von ihnen etwas gehört. Die Suche nach diesbezüglicher Literatur wird einen in lang vergessene Winkel von Bibliotheken führen und die Wahrscheinlichkeit ist gross, dass man dort nebst Ansammlungen von Staub wenig bis nichts finden wird. |
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In der heutigen Welt gibt es eine grosse Anzahl von wenig bekannten primitiven Stämmen, die vom Aussterben bedroht sind. Alleine in Indien gibt es davon mehrer Hunderte. Warum sollte man sich speziell für die kleinen (bezüglich körperlicher Grösse wie auch derer Anzahl) Andamanern interessieren? Die Andamaner sind in jeder Hinsicht so aussergewöhnlich, dass gerade auch die Tatsache, dass sie so wenig erforscht und sogar von Fachleuten wenig bekannt sind, nahtlos in die Reihe der Mysterien passt, von denen sie umgeben sind. Die "Negritos" der Andamanen sind die heute noch lebende Menschengruppe mit den eigenartigsten genetischen, kulturellen, linguistischen und sozialen Eigenschaften. Keine andere menschliche Population kann eine derart lang andauernde Isolation von anderen kulturellen Gruppen vorweisen. Sie gelten als die am wenigsten veränderten Überlebenden der ersten Einwanderer von Homo Sapiens in Asien. Von den heute noch lebenden Naturvölkern stellen sie die archaischste menschliche Lebensweise dar. Das Archipel der Andamanen besteht aus mehr als 200 Inseln und bedeckt eine Fläche von 8'300 Quadratkilometern, was etwa der Grösse Zyperns entspricht. Zusammen mit den Nicobaren bildet es einen Inselbogen in der bengalischen Bucht, von Myanmar im Norden bis zur indonesischen Insel Sumatra im Süden. Heute sind die Andamanen Teil der indischen Union, und die andamanesischen Ureinwohner oder "Negritos" sind indische Staatsbürger, obwohl sie sich dessen nicht bewusst sind. Seit Jahrzehnten existiert ein Streit zwischen den indischen Behörden, Politikern, Richtern und Anthropologen, ob die Negritos in den "indischen Mainstream" zu integrieren oder in ihrer Lebensweise zu belassen seien. Die erste Variante würde für diese kleinen Menschengemeinschaften ohne Zweifel den kulturellen und physischen Tod bedeuten. Aufgrund neuester Gerichtsentscheide besteht jedoch Hoffnung, dass die zweite Option Oberhand gewinnen wird. Es gibt heute noch weniger als 500 andamanesiche Negritos, während die indische Bevölkerung in letzter Zeit die Milliardenmarke erreicht hat. Mit Sicherheit wird die indische Zivilisation überleben, auch wenn die 500 Negritos ausserhalb der mainstream Kultur verbleiben. Die kleinen, pechschwarzen Pygmäen der andamanesichen Inseln waren seit den frühesten Zeiten bekannt und gefürchtet. Ihre Nachbarn nannten sie "Affen" oder "Hanuman Menschen", nach dem indischen Affengott Hanuman. Ein anderer gebräuchlicher Name war "Rakshasas", Dämonen oder Kobolde der indischen Mythologie. Der Name "Andaman" selber wurde zum ersten Mal im 9. Jahrhundert erhoben und führt mit Sicherheit auf Hanuman zurück. Die Kombination verschiedener Faktoren wie gefährliche Korallenriffe, ein unerbittliches Klima, die grausame Feindseligkeit der Negritos gegenüber Eindringlingen scheint der Grund dafür gewesen zu sein, dass diese Inselgruppe über Jahrtausende von der Aussenwelt abgeschieden blieb - bis ins Jahr 1858, als von den Briten auf der Insel Grossandaman eine Strafanstalt errichtet wurde. Ab diesem Datum liegen vereinzelt Berichte vor, über Versuche der lokalen Behörden, mit den Eingeborenen Kotakt aufzunehmen. In aller Regel wurden Besucher auf den einzelnen Inseln mit Pfeilen empfangen. Gelang es gelegentlich, Negritos im Rahmen einer Strafexpedition einzufangen, starben diese meistens nach wenigen Tagen Gefangenschaft, vermutlich wegen mangelnder Immunabwehr. Mit der Zeit wurde es jedoch möglich, mit einzelnen Gruppierungen Kontakt aufzunehmen und diese zu erforschen. Gleichzeitig schritt die Besiedlung der Inseln durch indische Bürger voran, so dass die Einheimischen immer mehr in Reservate verdrängt wurden, mit der Folge, dass deren Zahl erschreckend rapide abnahm. |
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