

Yoga
Die universale Wissenschaft der Wirklichkeit
Wie Welten entstehen Stellen wir uns einen mit Wasser gefüllten, durchsichtigen Behälter in einem Kühlraum vor, etwa ein Aquarium, aber ohne jeglichen Inhalt ausser Wasser. Was sehen wir? Eigentlich nichts, wir sehen nur durchsichtiges Wasser. Fahren wir die Temperatur nun langsam herunter. Was beobachten wir? Es bilden sich kleine Eiskristalle, die immer mehr wachsen. Mit der Zeit entstehen Eisblumen, eine ganze Eislandschaft. Wunderschön! Wie ist diese entstanden? Aus nichts, ausser Wasser. Wie haben wir diese Welt erschaffen? Wir wissen es nicht, sie hat es von ganz alleine getan. Fahren wir die Temperatur wieder hoch: Die Eisbildungen schmelzen dahin, die Welt verschwindet vor unseren Augen. Was haben wir getan? Eigentlich nichts, wir haben die Landschaft nicht zerstört, wir haben eigentlich gar nicht auf sie direkt eingewirkt. Und dennoch: Plötzlich ist sie nicht mehr da. Hätten wir nicht vorher vielleicht ein Foto gemacht, hätte es nicht ein Mal Spuren oder Zeugnisse davon, dass es diese Welt je gegeben hätte. Etwa so könnte man sich vorstellen, wie aus dem Unqualifizierten, Formlosen, Namenlosen, Welten entstanden sind. Im Prozess des „Falls“ des individuellen Bewusstseins verdichtet und kristallisiert sich das Universale Bewusstsein in immer komplexere Formen. Wie Eisbildungen in Essenz nichts anderes als Wasser sind, ist auch das individuelle Bewusstsein letztendlich nichts anderes als Universales Bewusstsein. Das Vedanta - insbesondere die Brihandaranyaka Upanishad - behandelt ausführlich den Entstehungsprozess von Welten. Auch beschreibt es die Gesetzmässigkeiten (Dharma), die in den Welten herrschen. Die Vision des Vedanta ist grandios, denn es befasst sich nicht nur mit der uns bekannten Welt, sondern auch mit allen möglichen, sich interpenetrierenden und gegenseitig beeinflussenden Welten auf verschiedenen Realitätsebenen. Auch befasst es sich nicht nur mit dem kosmischen Zyklus, in dem wir uns gegenwärtig befinden, sondern beschreibt auch die Bedingungen, die in anderen Zyklen herrschten. Die Etappen und die Dynamik der Bewusstseinsentwicklung werden wir im Abschnitt „Entwicklung des menschlichen Bewusstseins“ weiter erläutern. Was uns hier interessiert, ist unsere Verflechtung in der Welt der Phänomene, des Samsara, und der Drang den wir verspüren, uns in Welten zu begeben und diese zu beleben. Moksha ist ein Endzustand, in dem sich alle Impulse erschöpft haben. Solange wir uns aber im Samsara befinden, sind wir all den Trieben, Wünschen, Begierden, Sehnsüchten unterworfen. Diese lassen nicht los, sie lassen uns nicht zur Ruhe kommen. Wie kam es dazu, und warum gibt es überhaupt eine Welt, warum gibt es uns? Die Schöpfung ist nicht ein Unfall oder etwas Unerwünschtes, sondern etwas Gewolltes. Bevor es die Welt gab: Wie kam Gott dazu, überhaupt eine Welt zu erschaffen? Die Brihandaranyaka Upanishad gibt uns eine verblüffende Antwort: Er fühlte sich einsam und erschuf die Welt aus einem Spieltrieb heraus. Die Welt wird im Vedanta auch als Lila, als Spiel Gottes bezeichnet. Was für eine überraschende Aussage! So erschuf Gott die Welt und betrachtete sie. Aber diese war nicht ausserhalb von Ihm, sie war Er selber, entfremdete sich in der Folge immer mehr von Ihm, ohne dass aber die Verbindung – oder besser die Identität – mit Ihm verloren ging. Die Schöpfung wird in der Brihandaranyaka Upanishad als Ausdruck eines Drangs betrachtet, der bis zur Erfüllung seiner Bestimmung befriedigt werden will. Diese Bestimmung ist die grösste Vielfalt, die maximale Diversität und äusserste Mannigfaltigkeit. Es ist das Verlangen nach einer extremen Art von Spiel, welches sich in der Manifestation seiner tiefsten Potentiale erschöpft. Ein Begehren kann nicht befriedigt werden, so lange dessen Ursprung nicht befriedigt ist. Es genügt nicht, wenn nur ein Teilaspekt befriedigt wird. Es ist die ultimative Ursache, die befriedigt werden muss. Die Upanishad führt aus, dass der kosmische Schöpfungswille sich nicht mit Zwischenstadien der Manifestation zufrieden gibt, gleichwohl eine kleine Befriedigung nicht genügen wird, um eine tief sitzende Begierde zu löschen. Diese muss zur Genüge und bis zur äussersten Grenze befriedigt werden, erst dann erschöpft sie sich und kehrt zu ihrem ursprünglichen Zustand zurück. In diesem Zusammenhang kann bemerkt werden, dass Begierden aus zwei Phasen bestehen: Der Drang zur Befriedigung bis zur völligen Erlöschung und Leere und danach die Rückkehr zur Ursache, die der Begierde zugrunde liegt. Der ganze Prozess der Wunschbefriedigung ist vergleichbar mit der Bewegung eines Rades. Es ist ein rekurrierender Zyklus und deshalb ist dessen Bestimmung für die Logik des menschlichen Verstandes unzugänglich. Es ist eine extreme Handlung des schöpferischen Willens, die letztendlich zum anderen Extrem einer Resorption in dessen ursprünglichen Zustand führt. Er wollte die Fähigkeit zum Verstehen, er wollte die Macht, er wollte die Kontrolle über die Inhalte der Schöpfung auszuüben, er wollte Materialität und Dynamik. Gleichweise kennt der Mensch vier dominante Antriebe: das Verlangen des Maximums an Wissen, des Maximums an Macht, des Maximums an materiellen Besitztümern, des Maximums an Aktivität. |
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